Information Governance ist kein Selbstzweck. Sie beantwortet eine einfache, aber unbequeme Frage: Wissen wir eigentlich, welche Informationen wir haben, wo sie liegen, wer sie nutzen darf und wie lange wir sie aufbewahren müssen? In der Praxis lautet die ehrliche Antwort in den meisten Organisationen: nur teilweise.
Ohne klare Regeln wächst der Informationsbestand unkontrolliert. Dubletten, verwaiste Ablagen, uneinheitliche Berechtigungen und unklare Löschfristen sind die Folge. Das ist nicht nur ineffizient, sondern auch ein handfestes Compliance-Risiko: DSGVO, GoBD und branchenspezifische Aufbewahrungspflichten setzen voraus, dass Informationen gezielt gesteuert werden können.
Wir betrachten Information Governance produkt- und herstellerneutral. Es geht nicht darum, ein weiteres Tool einzuführen, sondern darum, Verantwortlichkeiten, Klassifizierung, Aufbewahrung und Zugriff so zu strukturieren, dass sie im Tagesgeschäft tragen. Governance, die niemand lebt, ist wertlos.
Gerade im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz wird das Thema unausweichlich. KI-Systeme sind nur so gut wie die Informationen, mit denen sie arbeiten. Wer seine Datenbasis nicht im Griff hat, wird auch mit KI keine belastbaren Ergebnisse erzielen – und riskiert, dass sensible Informationen unkontrolliert in Modelle fließen.
Der Einstieg gelingt pragmatisch: eine Bestandsaufnahme der relevanten Informationsklassen, eine realistische Bewertung der Risiken und ein Zielbild, das zur Organisation passt. Von dort aus lässt sich schrittweise ein tragfähiges Governance-Modell aufbauen.